EMDR – belastende Erfahrungen behutsam verarbeiten
Manche Erfahrungen liegen nicht einfach hinter uns. Sie wirken weiter – in Gefühlen, inneren Bildern, Körperempfindungen oder Reaktionen, die plötzlich auftreten, obwohl die belastende Situation längst vergangen ist.
EMDR kann dabei unterstützen, solche Erfahrungen in einem geschützten therapeutischen Rahmen zu verarbeiten. Ziel ist nicht, Geschehenes ungeschehen zu machen. Vielmehr kann das Erlebte allmählich seinen Platz in der eigenen Geschichte finden, ohne die Gegenwart immer wieder zu beherrschen.
Was ist EMDR?
EMDR steht für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“, auf Deutsch etwa: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen.
Während der therapeutischen Arbeit wird die Aufmerksamkeit in einer bestimmten Weise zwischen der belastenden Erinnerung und der gegenwärtigen Situation bewegt. Häufig geschieht dies mithilfe geführter Augenbewegungen. Möglich sind auch andere Formen bilateraler Stimulation, beispielsweise wechselseitige Töne oder behutsame taktile Impulse.
Dadurch kann das innere Verarbeitungssystem angeregt werden, eine bisher überwältigende oder wie eingefroren wirkende Erfahrung neu einzuordnen. Belastende Bilder, Gefühle und Körperreaktionen können an Intensität verlieren. Neue Perspektiven und ein größerer innerer Abstand können entstehen.
Die Erinnerung wird dabei nicht gelöscht. Sie kann jedoch ihren bedrängenden Charakter verlieren und als etwas Vergangenes erlebt werden.
Wann kann EMDR hilfreich sein?
EMDR wird vor allem bei traumatischen und stark belastenden Erfahrungen eingesetzt. Die Methode kann unter anderem in Betracht kommen bei:
- Unfall- und Gewalterfahrungen
- Verlust, Trennung und Trauer
- belastenden medizinischen Eingriffen
- beschämenden oder entwürdigenden Erlebnissen
- wiederkehrenden inneren Bildern oder Erinnerungen
- Ängsten und körperlichen Stressreaktionen
- belastenden Beziehungserfahrungen
- Situationen, die innerlich nicht zur Ruhe gekommen sind
Nicht jedes belastende Erlebnis ist automatisch ein Trauma. Entscheidend ist, wie das Erlebte im Menschen weiterwirkt. Auch ein äußerlich unscheinbares Ereignis kann tiefe Spuren hinterlassen, während eine andere schwerwiegende Erfahrung gut verarbeitet werden kann.
Ob EMDR für Ihr Anliegen geeignet ist, klären wir deshalb immer individuell und ohne vorschnelle Festlegung.
Sicherheit und Stabilisierung stehen am Anfang
Bevor eine belastende Erfahrung bearbeitet wird, geht es zunächst um Sicherheit, Orientierung und Stabilisierung. Sie sollen sich dem Erlebten nicht erneut hilflos ausgeliefert fühlen.
Gemeinsam entwickeln wir Möglichkeiten, mit auftauchenden Gefühlen, Bildern und Körperreaktionen umzugehen. Dazu können Atem- und Körperübungen, stabilisierende Imaginationen sowie die Arbeit mit inneren Ressourcen gehören.
Hilfreich können beispielsweise ein innerer sicherer Ort, eine innere Schatzkiste oder ein Tresor sein. Solche Bilder unterstützen dabei, Belastendes vorübergehend zu verwahren und stärkende Erfahrungen leichter zugänglich zu machen.
Vor jeder Verarbeitung vereinbaren wir außerdem eindeutige Stoppsignale. Sie behalten jederzeit die Kontrolle über den Prozess. Ihr persönliches Tempo und Ihre gegenwärtige Belastbarkeit bestimmen das Vorgehen.
Ablauf einer EMDR-Sitzung
Eine Sitzung dauert in der Regel etwa 60 Minuten. Der konkrete Ablauf richtet sich nach Ihrem Anliegen, Ihrer aktuellen Stabilität und dem bisherigen therapeutischen Prozess.
Zu Beginn nehmen wir uns Zeit zum Ankommen. Wir stellen den Kontakt zur gegenwärtigen Situation her und achten darauf, was Sie gerade brauchen. Erst wenn ausreichend innere Sicherheit vorhanden ist, wenden wir uns einer belastenden Erinnerung oder einem ausgewählten Aspekt davon zu.
Während kurzer Phasen bilateraler Stimulation darf sich zeigen, was auftaucht: Gedanken, Bilder, Gefühle, Körperempfindungen oder neue Einsichten. Es gibt dabei nichts, was Sie leisten oder richtig machen müssen.
Die belastende Erfahrung muss nicht bis in jedes Detail erzählt und auch nicht immer wieder vollständig durchlebt werden. Im Mittelpunkt steht vielmehr die behutsame innere Verarbeitung.
Zwischendurch überprüfen wir, wie sich die Wahrnehmung verändert. Belastende Bewertungen können schwächer werden, neue Gedanken können entstehen und körperliche Anspannung kann nachlassen.
Zum Abschluss kehren wir bewusst in die Gegenwart zurück. Eine Atemübung, Körperwahrnehmung oder stabilisierende Imagination kann helfen, die Sitzung sicher abzurunden. In der folgenden Sitzung besprechen wir, was sich seitdem verändert hat.
EMDR, Traumatherapie und Körperpsychotherapie
Belastende Erfahrungen werden nicht nur gedanklich erinnert. Sie können sich auch in Atmung, Haltung, Muskelspannung, Schlaf, Wachsamkeit oder körperlichem Rückzug ausdrücken.
Deshalb verbinde ich EMDR bei Bedarf mit Elementen der Körperpsychotherapie, der Traumatherapie, der Achtsamkeit und der tiefenpsychologisch fundierten Arbeit. Das ermöglicht einen ganzheitlichen Zugang zu Gedanken, Gefühlen und körperlichem Erleben.
Dabei geht es nicht nur um die belastende Erinnerung selbst. Ebenso wichtig sind vorhandene Stärken, tragfähige Beziehungen und Erfahrungen von Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Lebendigkeit.
Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten „Traumatherapie“ und „Körperpsychotherapie“.
EMDR in Hamburg-Blankenese und Lübeck
Ich biete EMDR im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit in Hamburg-Blankenese und Lübeck an.
In einem ersten Gespräch klären wir Ihr Anliegen, Ihre aktuelle Situation und Ihre Erwartungen. Wir prüfen gemeinsam, ob EMDR für Sie sinnvoll ist oder ob zunächst eine andere Form der Begleitung oder Stabilisierung geeigneter erscheint.
Eine seriöse EMDR-Behandlung folgt keinem starren Schema. Nicht Schnelligkeit, sondern ein sicheres und stimmiges Vorgehen steht im Mittelpunkt.
Erstgespräch und Behandlungskosten
Das telefonische oder online stattfindende Kennenlerngespräch von 15 bis 20 Minuten ist kostenlos. Dabei können Sie Ihr Anliegen kurz schildern und einen ersten Eindruck davon gewinnen, ob eine Zusammenarbeit für Sie passend sein könnte.
Informationen zu den Honoraren, zur Selbstzahlung und zu möglichen Erstattungen finden Sie auf der Seite „Behandlungskosten“.